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Still vor dem, was vergangen ist Erinnerung an Günther Robra

Günther Robra wuchs in einer bewegten Zeit auf. Frühe Kriegserfahrungen und die Wirren der Aufbaujahre blieben zeit seines Lebens für ihn prägend. Geboren wurde er 1924 in Stettin, dem heutigen Szczecin. Nach der Mittelschule absolvierte er in einem pommerschen Kartoffelzuchtbetrieb eine Ausbildung zum Landwirtschaftsgehilfen, bevor er 1942, mit gerade einmal 18 Jahren, Soldat wurde. 1946 kehrte er verwundet aus dem Krieg zurück, drückte noch einmal die Schulbank und machte sein Abitur. Es folgte ein zweijähriges Studium an der Pädagogischen Hochschule, nach dessen Abschluss es ihn Ende 1948 nach Ostfriesland verschlug. Dort begann er als Lehrer an einer Dorfschule, war dann mehr als 4 Jahre lang an einer Sonderschule für Lernbehinderte tätig und fand schließlich eine Anstellung an der Friesenschule in Leer, wo er Englisch und Geschichte unterrichtete.
In den Jahren nach unserer Schulzeit war Günther Robra Schulleiter auf Borkum und später Schulrat in Weener. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Schuldienst widmete er sich intensiv dem Studium der Kulturgeschichte seiner Wahlheimat Ostfriesland, schrieb heimatkundliche Artikel und Bücher.
Günther Robra stand den Errungenschaften des digitalen Zeitalters skeptisch bis ablehnend gegenüber. Unsere Website gefiel ihm, auch wenn er der Meinung war, er selbst habe auf ihr „nichts zu suchen”, die Schüler müssten ihre „Insel der Erinnerung” schon selbst pflegen. Gleichwohl sind ihm die Jahre an der Friesenschule unvergessen geblieben. Bis zuletzt bewahrte er die Notiz- und Zensurenbücher aus jenen Jahren auf.
Auf seine Zeit als Lehrer zurückblickend, schrieb er einmal: „Die Erinnerungen der an Schule Beteiligten sind sehr verschieden. Die ehemaligen Schüler werden älter, werden selbst Eltern und Erziehungsberechtigte, wissen alles ganz genau und werfen dann den ehemaligen Lehren aus der Sicht der nunmehr Erwachsenen Ungerechtigkeiten, autoritäres Verhalten und was weiß ich noch alles vor, dabei nicht bedenkend, dass sich die Ausgangssituation gründlich verändert hat. Mir ist wohl bewusst, dass ich bei der Vielzahl der Schüler nicht allen gerecht geworden bin. Wie soll man auch so vielen jungen Menschen der verschiedenen Altersstufen immer gerecht geworden sein… Man wird eben im Alter still vor dem, was vergangen ist und dennoch immer im Gedächtnis und in Erinnerung bleibt.”

Günther Robra starb am 16. April 2015, kurz vor Vollendung seines 91. Lebensjahres.


Johanna Thoomßen

Frau Johanna Thomßen, unsere ehemalige Biologie-, Chemie. und Physiklehrerin, ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

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Zwischen den Fronten des Kalten Krieges
Das außergewöhnliche Leben des Karl Bartels

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Am 2. Weihnachtstag 2008 starb unser ehemaliger Lehrer Karl Bartels im Alter von fast 99 Jahren. Damit endete nicht nur ein biblisch langes, sondern auch ein ganz außergewöhnliches Leben im geteilten Deutschland zu Zeiten des Kalten Krieges. Auch wenn der Fall für einiges Aufsehen gesorgt hat, dürften viele von uns, die Karl Bartels nur im Unterricht erlebten, nichts oder nur wenig davon mitbekommen haben.

Karl Bartels wurde im Januar 1910 in Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Im Jahr unserer Einschulung, 1956, kam er als Lehrer an die Friesenschule, 1963, im Jahr unserer Entlassung, wurde er dort zum Konrektor berufen.

Anfang der 1970er Jahre - die meisten von uns standen nach Abschluss von Ausbildung oder Studium gerade am Anfang ihres Berufslebens - trat der Bundesnachrichtendienst an Bartels heran. Der Auftrag war heikel. Der BND interessierte sich für militärische Aktivitäten und Entwicklungen im Bereich der innerdeutschen Grenze, und Bartels, der aus dieser Gegend stammte und seine Geburtsstadt Ludwigslust häufig besuchte, sollte entsprechende Beobachtungen anstellen und Berichte darüber verfassen. Nach kurzer Überlegung erklärten sich Karl Bartels und seine Frau Anna, beide überzeugte Pazifisten, dazu bereit. Sie waren überzeugt, durch ihre Mitarbeit einen persönlichen Beitrag zu dem von der Bonner Regierung bereits vorsichtig begonnenen Entspannungsprozess im innerdeutschen Verhältnis leisten zu können. Doch schon ab 1973 stand das Ehepaar Bartels unter Beobachtung des Ministeriums für Staatssicherheit, das sich durch einen inoffiziellen Mitarbeiter in Leer über die dortigen Lebensumstände detailliert unterrichten ließ. Im Juli 1977 wurden Karl und Anna Bartels verhaftet und im Januar 1978 wegen Spionage zu 12 bzw. 7 Jahren Haft verurteilt.

Das Ehepaar Bartels war sich des Risikos bewusst, das sie eingegangen waren und sahen daher ihre Verurteilung als nach den Gesetzen der DDR begründet an. Jedoch wurde in Anbetracht ihres Alters und gesundheitlicher Probleme sowie der Tatsache, dass insbesondere Karl Bartels als engagierter Mennonit und Freimaurer ausschließlich idealistische Ziele verfolgte, dem Ehepaar während seiner Haftzeit in der DDR eine vergleichsweise schonende Behandlung zuteil.

Karl Bartels hat über die Zeit seiner Inhaftierung in der DDR penibel Buch geführt und sie anhand einer Vielzahl gesammelter Unterlagen nahezu lückenlos dokumentiert. 2004 übergab er das gesamte Material einschließlich umfangreicher Aufzeichnungen seines Vaters, mit Kindheitserinnerungen aus Ludwigslust sowie der Briefe, die seine Frau und er aus der Haft an ihre Tochter Wilma geschrieben hatten, an das damalige Staatsarchiv in Aurich (heute: Niedersächsisches Landesarchiv, Standort Aurich). Nach den archivgesetzlichen Bestimmungen werden die Dokumente allerdings erst ab 2018 auch der Allgemeinheit zugänglich sein.

Es ist davon auszugehen, dass bei der Jahn-Behörde in Berlin auch eine Stasi-Akte über das Ehepaar Bartels vorhanden ist. Auf die Möglichkeit, Einsicht in diese Akten zu nehmen, hat Karl Bartels aber bewusst verzichtet.


Auch sie starben in den Jahren unserer Klassentreffen:


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